#3 von 16 Summits: Sachsen Fichtelberg

Den höchsten Berg meines Heimatbundeslandes habe ich erst viele Jahre nach meinem Wegzug aus selbigem besucht. Zum Jahresende 2019 im Schnee. Hier muss ich auch direkt mal den Irrglauben zerstören, dass wandern eine Frühling/Sommer/Herbst Aktivität ist. Ich habe keinerlei Grund gefunden, weshalb wandern im Winter doof sein sollte. Ganz im Gegenteil: die Wanderwege sind leerer – und oft auch anspruchsvoller mit Schnee. Die Landschaft ist, wenn Schnee liegt, ein Winterwunderland, wenn nicht, sind Nadelbäume immergrün und die kalte Winterluft sorgt für klare Sicht oder für eine schöne Schicht Nebel. Gerade der Winter hat also etwas ganz Besonderes beim Laufen durch die Natur zu bieten.


So auch ein Dezember an der sächsisch- tschechischen Grenze. Durch den Schnee wurden die Wanderwege teilweise als Loipen für Langläufer gespurt, teils sind sie geräumt, zum Großteil aber nur von ein paar Spaziergängern plattgetreten. Zum Fichtelberg gibt es einige Routen. Wir wählen eine von der tschechischen Seite. Und es wird mal wieder so eine Tour, bei der man Höhe und Länge einfach völlig unterschätzt. Denn der echte Nachteil im Winter: es wird früh dunkel und so muss man entweder damit leben einen Teil ohne Tageslicht zu laufen, oder die Zeit so planen, dass die Sonne mit einem ist.

An dem Tag jener Fichtelbergbesteigung ist der Plan nicht so aufgegangen, aber somit auch wieder ein spannendes Ende eines Wandertages, das in Erinnerung bleibt. Am Ende merken wir nämlich, dass die “Abkürzung” über den Skihang, der zum Teil auch noch ganz schön vereist war, uns trotzdem nur bis Oberwiesenthal gebracht hat. Von dort war es zu unserem Ausgangsort Gottesgab hinter der Grenze, noch ein ganzes Stück zu Fuß. Natürlich ist man sich für den Bus zu stolz und ich bin mir sicher, dass ich die letzten 3km im bewaldeten Tal, entlang eines kleines Baches wunderschön gefunden hätte, wenn man, durch das fehlende Tageslicht, sich nicht hätte so sehr darauf konzentrieren müssen, wohin man den nächsten Fuß setzt um nicht im Eis einzubrechen oder auszurutschen. Jetzt hab ich schon wieder das Ende gespoilert. Der Weg zu diesem Ende war weniger spektakulär, aber sehr schön.


Wir beginnen also über ein Schneefeld auf den Nadelwald zuzulaufen, der sich bis zum Gipfel erstreckt. Durch den Wald ist das Ziel den ganzen Weg nicht ein einziges Mal zu sehen. Wir starten im Süden und gehen einen riesen Bogen im Uhrzeigersinn um den Fichtelberg, um ihn dann von Norden her zu erklimmen. Wobei “erklimmen” eigentlich das falsche Wort ist, denn wenn man auf grob 1000Höhenmetern startet ist der sanfte Aufstieg auf den 1215m Gipfel jetzt nicht so reißerisch. Schöne Ausblicke auf die verschneite Umgebung und die hübsch verwehten Bäume bietet der Weg aber allemal. Auf dem Gipfel gibt es alles was das Touristenherz begehrt, auch die Auffahrt mit der Seilbahn, sowie überfüllte Restaurants, in denen man für einen Tisch zur Soljanka Schlange steht. Die Zugspitze der DDR – ja, der Fichtelberg war in meinem Geburtsland der höchste Punkt- hält also mit seinem großen Bruder mit.

Gipfelhütte in Sicht


Um dem Rummel zu entgehen folgen wir dem steileren Weg bergab, ziemlich vereist, inklusive Zeuge beim Verlust von Ehefrauen-Knöchel-Stabilität und verzweifeltem Mann auf Rettungssuche. Nach geleisteter Unterstützungshilfe schlittern wir weiter im Zick Zack den “Wanderweg” bergab. Der war definitiv nicht für Winterwanderer gemacht. Dafür aber um so aufregender. Eher ernüchternd dann allerdings die Feststellung, dass wir noch ein ganzen Stück Strecke, teils durch Ort und Strassen, vor uns haben, die schlauchen. Die Energievorräte sind aufgebraucht und die Sonne steht immer tiefer. Wieder im Wald angekommen, ist es bereits dunkel und wir haben noch 200Höhenmeter (nach oben) hinter uns zu bringen, was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten. Erst das Wanderrouten-Höhenprofil meiner Komoot Wanderapp zeigt im Nachhinein, was wir da nach 6,5 Wanderstunden noch vor uns liegen hatten. Wie bereits vorweggenommen, sind es ja aber meist genau diese ungeplanten Herausforderungen, die als Erinnerung hängen bleiben. Ich bin mir sicher, dass der Becherovka und das Gulasch an diesem Abend besonders gut geschmeckt haben.
Eine Gipfelbesteigung die außerdem stattgefunden hat, lange bevor ich diese Bundesland-Challenge begann.
Fazit: Fichtelberg lohnt sich. Umwege gehen auch!

Blick vom Fichtelberg auf den Keilberg

Über das Projekt 16 Summits – die höchsten Gipfel Deutschlands – könnt ihr hier mehr lesen: Projekt: die 16 höchsten Gipfel

diese https://www.komoot.de/tour/107082267?ref=aso und weitere  findest du in meiner Komoot-Sammlung

Schreibe einen Kommentar