Südsee mit Alpenpanorama

Sanfte grüne Hügel ziehen sich durch die Landschaft. Kühe und Pferde grasen friedlich darauf. Umrahmt von tiefgrünen Nadelbäumen und schroffen Berggipfeln am Horizont.

Ein Bild, das man in den Alpen erwartet. Nicht auf den Marquesas.

Wiesen, Nadelbäume, grasende Pferde und Kühe

Dass ich mich gerade mitten im Pazifik auf einer Südseeinsel befinde, muss ich mir erst bewusst machen, während mir der kühle Wind durch die Haare pfeift. Kühl bedeutet hier um die 20 Grad. Aber auch das ist acht Grad südlich des Äquators nur möglich, weil ich mich auf einem Hochplateau auf knapp tausend Metern Höhe befinde. Ein Vulkankrater, dessen Ränder tief zerklüftet sind und bis zu 1224 Meter in den Himmel ragen – auf einer Insel, die keine 25 Kilometer Durchmesser hat. Verrückt. Und wunderschön zugleich.

Kuh überquert die Straße im Hochland

Denn neben dieser ungewöhnlichen Landschaft in der Inselmitte hat Nuku Hiva noch viel mehr zu bieten. Die Hügel des Vulkanplateaus sind von Farnen und Moosen überzogen, Wolkenfetzen bleiben in der Höhe hängen – die Umgebung wirkt dadurch fast mystisch.

Farne und Moos im Vulkanplateau

Und hinter der übernächsten Kurve auf der einzigen Straße Richtung Westen wandelt sich die Vegetation plötzlich in eine Wüste mit roter Erde. Zwischendurch verfängt sich der Blick im Grand Canyon – einer tiefen Schlucht, die mit Nadelbäumen beginnt und nach einem 350 Meter hohen Wasserfall in einem palmengesäumten Tal endet.

Blick in den Grand Canyon von oben

Die Schlucht ist sowohl von oben als auch von unten spektakulär. Den Wasserfall selbst sieht man von beiden Seiten nicht. Von oben verbergen ihn Bäume und Felsen. Von unten fällt er tief in einer engen Schlucht hinab, in die wir uns nicht hineintrauen. Muss auch nicht sein. Denn dieser Ausflug zeigt mal wieder: der Weg ist das Ziel.

Denn auch ohne schöne Sicht auf den Wasserfall ist der Weg spektakulär. 

Schlucht auf dem Weg zum Wasserfall

Vom kleinen Örtchen Hakaui am Meer folgt man dem Flusslauf auf einem schmalen Pfad. Immer wieder muss der Fluss durchquert werden – aber das frische Wasser an den Füßen ist eine willkommene Abkühlung. Die hohe, alles überschattende Felswand rückt immer näher, und schließlich tauchen wir ganz in die Schlucht ein. Der schattige Boden ist übersät mit sattem Grün und gelben Blüten, am Himmel ziehen Vögel in der Thermik ihre Kreise. Das kurze erfrischende Bad im Süßwasserpool lasse ich mir natürlich nicht entgehen – auch wenn wir den Wasserfall nur hinter den Felsspalten plätschern hören. Der Weg hat sich trotzdem gelohnt.

grünes Tal mit steilen Felswänden

Auch der Strand, an dem der Fluss ins Meer mündet, bezaubert mich. Am Ufer stehen Nadelbäume, daneben schließt sich ein schwarzer Strand mit Kokospalmen an, an dem sich die Pazifikwellen brechen. Umrahmt von einer schwarz-steil aufragenden Felswand. Ein magischer Ort.

Fluss, Meer,Berge, Palmen & Nadelwald dicht beisammen

Das kleine Dorf an der Flussmündung ist ebenso idyllisch. Pferde und Obstbäume bestimmen das Bild, Menschen sehen wir kaum. Bei Monet, einer älteren Dame, machen wir halt, um Früchte zu kaufen. Aber zuerst gibt es Kaffee – tranquiiiiil – und dazu eine köstliche Mango. Dann beginnt die Shoppingtour durch den Garten: wir gehen von Baum zu Baum und sagen, was wir haben möchten. Monet sucht sorgfältig die passende Frucht aus und holt sie mit einem langen Pflücker herunter. Am Ende gehen wir mit mehr, als wir tragen und essen können. Wie immer. Überall auf Nuku Hiva.

Monet lebt vom Verkauf ihrer Früchte. Eine Straße gibt es nicht – aber Taxiboote verbinden den Ort in zwanzig Minuten mit der Hauptstadt. Daher ist es auch für Touristen ein beliebter Ausflug.

Flussmündung

Die Bucht, in der Aleksi uns willkommen heißt, sieht im Normalfall keine Touristen. Die Straße ist nur mit Allradantrieb befahrbar, und auch Segler verirren sich selten in den Nordwesten von Nuku Hiva. Dass wir durch Aleksis Grundstück und Garten laufen, sei kein Problem, sagt er, als wir ihn endlich entdecken. Er lebt hier mit seinen Geschwistern. Alle Ottos. Dieser Name ist auf Nuku Hiva weit verbreitet – ein paar Generationen zuvor gab es mal einen sehr produktiven Deutschen hier, dessen Nachfahren wir in verschiedenen Tälern kennenlernen. Und natürlich freuen sie sich, wenn man einen ihrer Cousins besucht hat.

Segeln entlang der Küste mit Blick auf die imposanten Berge

Auch Ottos lassen einen nicht gehen ohne einen Sack voller Früchte. Als wir anmerken, dass so ein großer Garten ganz schön viel Arbeit sein muss, winkt er ab. „Tranquiiiiil.” Wenn er Lust hat, arbeitet er – wenn nicht, nicht. Was von den Bäumen fällt, wird schon von irgendeinem der Tiere gegessen.

Bei so einem Vorgarten macht man gern „tranquille“

Täglich kommt eine Herde Kühe und Pferde aus den Bergen herab zum Trinken, den Rest erledigen die freilaufenden Schweine und Hühner. In die Berge zur Jagd geht man vor allem auf Ziegen und Schweine. Einen Supermarkt braucht es bei dieser Vielfalt schlicht nicht.

Ausbeute von der Ziegenjagd

Ein paar Kilometer weiter entlang der Nordküste bestaunen wir imposante Felsformationen und machen erneut in einer idyllischen Bucht fest – hierher kommt man nur zu Fuß oder per Boot.

Das kleine Dorf Anaho ist auch für die Inselbewohner ein beliebter Urlaubsort, mit Jugendferienlagern und einem Campingplatz. Pferde sind das Transportmittel.

Pferde bringen die Limetten-Ernte ins nächste Dorf

Der Weg zum hellen, breiten Sandstrand führt über schwarze Steine und rote Erde – und durch Rogers Plantage. Hier wird im größeren Stil angebaut: Gurken, Melonen, Grapefruits, Limetten. Als wir vorbeikommen, werden sie gerade sortiert, gewaschen und verpackt, um am nächsten Tag die Schiffsreise nach Tahiti anzutreten. Und natürlich gibt es auch hier zuerst eine Kokosnuss als Erfrischung.

Strand am der Ostküste

Zurück an der Südküste nehmen wir in Houmi noch am sonntäglichen Boule-Turnier teil – und verlieren haushoch. Gegen Hans Otto.

Neben den französischen / europäischen Namen haben hier alle auch noch marquesische Namen, die meist etwas bedeuten. Tui zum Beispiel – das heißt nähen oder verbinden. Viele andere sind schlicht unaussprechlich.

Nach ein paar Wochen Umrundung der Insel kehren wir zurück in die Hauptstadt Taiohae und widmen uns wieder unserem Alltag: dem nachmittäglichen Boulespielen mit unseren Freunden. 

Die Bucht von Taiohae – der Inselhauptstadt

Wie wir überhaupt zum Boulespielen gekommen sind und was uns die ersten Wochen in Taiohae beschert haben – Trommelrhythmen, ein Schweineschenkel und jede Menge Gelächter – das steht im letzten Beitrag.

hier lesen: Rythmen und Alltag der Marquesas

Inzwischen ist die Zeit gekommen, in der immer mehr Segler über den Pazifik ankommen. Wir geben Tipps weiter und bleiben, während wir die meisten nur kurz Station machen und weiterziehen sehen.

Das gibt uns das Gefühl, nicht mehr wirklich zu den Touristen zu gehören. Aber wer weiß, wann man damit eigentlich aufhört. Durch die vielen Menschen, die wir hier kennengelernt haben, fühlen wir uns längst heimisch.

Die Berglandschaft von Nuku Hiva

Nach einem kurzen Ausflug zur Nachbarinsel kehren wir noch einmal nach Nuku Hiva zurück. Mit einer Entscheidung im Gepäck: Wir nehmen Abschied – aber nur, um wiederzukommen.

Acht Monate parken wir unser Boot hier, um nach Deutschland zurückzukehren. Um uns dann im nächsten Jahr umso mehr auf die Rückkehr zu freuen.

Wobei „Abschied nehmen” auf Nuku Hiva inzwischen zum Running Gag geworden ist. Beim ersten Versuch wollte der Motor nicht anspringen – wir standen am nächsten Tag wieder an Land und blieben noch ein paar Wochen, bis ein neuer Starter per DHL Express aus Deutschland eingeflogen war. Der nächste Aufbruch brachte uns nur zur Nachbarinsel – und wieder zurück.

Unsere Abschiede vom Boule-Team auf Nuku Hiva

Und nun brechen wir zum ersten Mal auf mit dem Versprechen, wiederzukommen.

Abschiede können sie hier. Die Lai-Ketten duften noch immer im Boot, und der Blumenkranz krönt langsam trocknend unseren Globus.

…gewesen von November 25 bis Mai 2026

Von weiteren kleinen und großen Abenteuern dazwischen berichte ich das nächste Mal. 

Alles über unsere Reise findest du unter

Willkommen an Bord

Zwischen Aufbruch und Ankommen gibt es immer wieder Momente, die ich einfach direkt teilen möchte.

Für alle, die die Reise nicht nur rückblickend lesen wollen.


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