Proviantierung

Proviantieren. Ein Wort, welches ich vor dem Segelleben noch gar nicht kannte. Sobald man aber auf ein schwimmendes Gefährt umzieht und plant, damit auch längere Zeit autark zu leben, wird dieses Wort zu einer neuen Lebensaufgabe.

Denn Proviantieren ist eine ganz andere Hausnummer als einfach einen Großeinkauf machen.

Es hat etwas mit Planung zu tun, mit Einschätzung, wie lange wohl welches Lebensmittel in welcher Umgebung überlebt. Mit beobachten des Alltags, wie viel man eigentlich wovon konsumiert. Und am Ende hat es auch viel mit Einsicht und Akzeptanz zu tun. Wenn etwas nicht verfügbar ist, dann lässt sich das nicht ändern. Wenn die Lieblingsschokolade alle ist, dann muss man das akzeptieren.

Bald lerne ich auch, dass es nicht überall auf der Welt alles zu kaufen gibt, was man gern hätte. Auch das muss man akzeptieren. Und es fordert die Kreativität, neue Dinge in der Kombüse auszuprobieren, mit neuen Zutaten zu experimentieren und neue Ernährungsroutinen zu etablieren. Immer wieder neu, je nachdem wovon gerade reichlich vorhanden ist. 

Oft weiß man nicht genau, wie lange eine Überfahrt dauern wird. Im Zweifel rechne ich immer doppelt so lange. Und oft hat man auch keine genaue Kenntnis, welche Versorgung einem am Ziel erwartet. Auch hier hilft Akzeptanz und Anpassungsvermögen. 

Andere Länder – andere Einkaufsmöglichkeiten

Wichtiger ist bei der Proviantierung für eine längere Überfahrt, das Überleben zu sichern und bei guter Gesundheit zu bleiben. Aber auch für die gute Laune muss gesorgt sein. Nicht nur durch abwechslungsreiche Ernährung, sondern auch das Essen für die Seele ist wichtig. Da wären wir wieder bei der Lieblingsschokolade 😉

Und deshalb gibt es auch keine allgemeingültige Priviantierungsliste. Jeder hat eigene Vorlieben, an Land wie an Bord. Und manchmal ändern sich diese Vorlieben auch auf See. Während ich zum Beispiel vorher nie Erdnussbutter gegessen habe, und das auch an Bord vor Anker selten mache, ist das unterwegs beim Segel ganz anders.

Mich bringt ein Erdnussbutterbrot prima durch eine Nachtschicht auf See. Vielleicht weil ich nicht weiß ob ich zu Abend essen oder Frühstücken soll, oder aber weil Wind und Gischt den Appetit auf Salziges erhöht. 

Genauso hat mit Sicherheit jeder so ein Wohlfühl-Seelenwärmer-Gericht. Wenn die See schlechte Laune hat, es regnet und das schaukeln einfach an die Nerven geht – Dann hilft bei mir eine Portion warmer Pudding für die Seele. Und genau dafür habe ich Fertig-Pudding aus dem deutschen Supermarkt an Bord. Den muss man einfach nur mit heißem Wasser anrühren. In eine bequeme Ecke kuscheln und schon kann man die Welt draußen kurz ausschalten. 

Trotz allem braucht es eine gewisse Grundausstattung an Bord. Habe ich mich beim ersten Mal recht schwer damit getan, ist mir die Erstellung von Einkaufslisten für die letzte große Proviantierung schon deutlich leichter gefallen. Weil ich inzwischen weiß was und wie viel wir wovon konsumieren.

Großeinkauf vor der Pazifiküberquerung- 13 Kartons

Und deshalb möchte ich meine Erfahrung gern mit allen Teilen, denen das noch bevorsteht. 

Also habe ich meine Einkaufsliste einem Realitätsabgleich unterzogen und ausgerechnet wie viel wir tatsächlich verbraucht haben, in zwei Monaten auf See. 

Hier ist meine Liste, als Grundlage für eigene Berechnungen, als Inspiration und Unterstützung für deine nächste Proviantierung. 

Die Werte beziehen sich auf eine 2er Crew für vier Wochen. 


Haltbarkeit

Zu bedenken ist, dass in den ersten Wochen wesentlich mehr Frischware auf den Tisch kommt, wohingegen man nach einigen Wochen mit zunehmender Zahl auf Dosen zurückgreifen muss. 

Außerdem sollte man immer damit rechnen dass Frischware plötzlich nicht mehr verfügbar ist, weil schneller vergammelt als erwartet. Ich habe auf dem Pazifik nach einer Woche einen Kohl und einen Kürbis entsorgen müssen, die beide eigentlich für das Ende der Reise bestimmt waren, weil sie sich für gewöhnlich ewig halten. Man kann halt nie hineinschauen. Auch Eier haben wir einige entsorgt.

Also nicht nur auf das Frischzeug verlassen.

Wir haben auch bedacht, dass bei Ausfall von Gas genügend Lebensmittel an Bord sind, die man ungekocht verzehren kann.

Eingetreten ist zum Glück nichts von alldem.

Nur Zwiebeln hatte ich zu wenig kalkuliert und musste am Ende sparen.

Die positivste Überraschung waren grüne Granni Smith Äpfel aus der Supermarkt-Kühlung in Panama City. Keine Ahnung womit die behandelt waren, aber sie waren nach drei Monaten noch saftig.

Für alle abgepackten Lebensmittel gilt: sie sind fast immer lange über ihr Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus haltbar.

Wir essen noch immer von den Marmeladengläsern aus Martinique von 2023 und Reis, der 2022 schon aus Deutschland mit aufs Boot gezogen ist.

Beschriftung der Dosen – manchmal auch kreativ

Bordbedingungen

Wir leben auf einer 34 Fuß Mono-Ketch zu zweit.  Es gibt erstaunlich viel Stauraum in der Bilge – die bekanntlich als Umgebungstemperatur die Wassertemperatur erreicht, also 30°C.

Dafür haben wir weniger Platz für Kühlung. Ein eingebauter Kühlschrank, der für gewöhnlich nur tagsüber läuft, wenn genug Solarstrom vorhanden ist, dafür sehr gut die Kälte speichert. Keine Gefriertruhe. 

Kombüse

Unsere Kombüse ist minimalistisch eingerichtet im Hinblick auf Gerätschaften.

Wir haben keinerlei Strombetriebene Geräte zur Verarbeitung. Gekocht wird auf einen 2-Flammen-Gasherd.

Geknetet, gestampft und gerührt wird mit der Hand.

Lagerung

Die Lagerung von Lebensmitteln finden verteilt statt:

Eine große Bilge in der Küche beherbergt alle Dosen, wobei die unterste Schicht aus Plastikbehältern, wie etwa Erdnussbutter, besteht, damit die Dosen nicht rosten, falls doch mal Wasser in der Bilge steht. Ein einfacher Wassermelder gibt Alarm, wenn’s feucht wird.

Die Dosen werden immer beschriftet und die Etiketten abgemacht – weil sich unter den Etiketten gern Tierchen einnisten und weil sich die Etiketten sowieso irgendwann ablösen. 

Dosen in der Bilge

Außerdem gibt es eine weitere Bilgelagerung, an die schwerer heranzukommen ist. Deswegen berherbergt diese die Vorräte von Öl, Essig und Getränken. 

Was nicht in die Küchenschränke passt, findet Platz unter unseren Betten. Dort ist es immer trocken, hier lagert alles, was unter „Trockenes“ fällt. 

Egal ob in feuchter oder trockener Umgebung, ob Bilge oder Schrank – bis auf Dosen wird alles in Zipperbeuteln verpackt. Sie sorgen nicht nur dafür, dass keine Luftfeuchtigkeit herankommt, sondern auch, dass die ggf. mit gekauften Käfer nicht herauskommen. Und ihr werdet Käfer haben! Versprochen. Ob Mehl, Reis, Nudeln oder Kekse –  irgendwo haben sie sich eingenistet. Und das beste Mittel meiner Erfahrung nach ist, sie daran zu hindern, sich zu vermehren und auf alle Lebensmittel überzugehen. Durch die Zipperbeutel – hier lohnt es sich, die teuersten zu kaufen – schaffen sie es nicht, zu anderen Lebensmitteln zu gelangen. So hatte ich bei einem vier Monats-Vorrat tatsächlich nur einen Beutel mit 1 kg Nudeln, die nach drei Monaten noch sehr lebendig waren, aber halt von Bord gebracht werden konnten ohne sich durch weiteres zu fressen. 


Wenn du wissen willst was ich aus den Lebensmitteln alles gekocht habe, dann schau gern mal auf meine 55 Gerichte auf See:


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