Welcome back

„Klong, klong, klong“ schallt von den Hügeln um die Bucht das dumpfe Echo wieder. Mit jedem Hammerschlag auf die Schienen am Großbaum bewegt sich das Segel ein paar Millimeter weiter in der Nut bis wir es am Ende herausziehen können. Die Sonne brennt inzwischen und neben Möwengeschrei, zerschneidet nur unser unrhythmisches hämmern die ruhige Inselidylle. Eine halbe Dose WD40 ist schon drauf gegangen und jede Menge Zeit. Stück für Stück bauen wir alles am Boot ab, was lose ist, lose sein sollte, oder irgendwie eine Windangriffsfläche bietet. Unter Deck wird alles verstaut, geputzt und alle Lebensmittel Kriechtier sicher verpackt. Mit dieser Aufbruchsstimmung vergehen die letzten Tage auf Grenada, während wir am Abend am Strand Bier mit bekannten Gesichtern trinken und die letzten Tage Karibik genießen. 

Auf Deck wird abgebaut
Unter Deck wird alles verstaut

Hierher zurückzukehren, wo wir den ganzen letzten Sommer verbracht haben, war ein bisschen wie nach Hause kommen. Wir kennen uns aus, wissen was wann wo auf dem Programm steht und treffen viele Menschen, die sich freuen uns wiederzusehen. Mit „welcome back“ begrüßt zu werden, fühlt sich gut an. Und ist vielleicht auch ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns in Deutschland erwartet. Vor allem anderen, was uns in dem alten Leben erwartet habe ich ein bisschen Angst. Also Hektik, viele stressige Menschen, Arbeitsalltag und Kälte. Den ersten Kulturschock bekommen wir schon in Grenada am Flughafen, wo drei Maschinen gleichzeitig abgefertigt werden und die Menschenmassen total unentspannt sind. Den ersten Kälteschock haben wir auf unserer Zwischenlandung in Toronto. Mit zwei Hosen und allen Jacken am Leib, die wir auf dem Boot gefunden haben, stehen wir vor einer grauen, winterlichen Landschaft und frieren.

Toronto. Kanada. Kalt hier

Aber immerhin gibt es einen Strand. Und Segelboote.

CN-Tower in Toronto. Aber wir sind lieber am Strand.

Nachdem wir auch die 19h Stopover in Toronto überstanden haben, kommen wir irgendwann total fertig und übermüdet in Deutschland an und geben uns direkt noch eine sechsstündige Regionalbahnfahrt um auch gleich voll im Deutschland-feeling anzukommen. Genau so wie wir ein typisches Karibik-feeling beim verlassen von Grenada hatten. Denn die Anreise zum Flughafen war recht abenteuerlich.

Abreisebereit mit unserem Handgepäck

Unsere Bootsnachbarin bot uns an, uns zum Flughafen mitzunehmen. Bei der Abfahrt an ihrem Boot springt der Außenbordmotor nicht an. Nach einer Paddelfahrt zum Strand, nimmt sie dort das Boot ihres Mannes – der Barbesitzer. In das schwere Holzboot passen wir immerhin alle mit unserem Gepäck auf einmal. Die Steuerung muss allerdings Heiko übernehmen, weil es so schwer zu fahren ist. Am Steg angekommen packen wir uns ins Auto. Es springt an, aber kein Gang lässt sich einlegen. Zum Glück wohnt der Mechaniker direkt daneben und wird erstmal aus seiner Siesta geholt. Erstmal funktionieren die Gänge wieder, zumindest einige. Reicht, um weiterzufahren. Nach der Hälfte der knapp 20 Minütigen Fahrt kracht es plötzlich in der Kurve eines Kreisverkehrs und wir stehen. Nur etwas schief. Am Straßenrand rollt unser Vorderrad vorbei. Ups. Das sollte eigentlich fest sein.

Erstmal wird selbst Hand angelegt
So sehen die Hände dann auch aus. Gut dass es Übermorgen ja wieder ne Dusche gibt.

Mit dem vorhandenen Wagenheber versucht Heiko das Rad wieder provisorisch dran zu bekommen, um das Auto immerhin von der Straße schieben zu können. Aber er ist nicht hoch genug. Kurz darauf hält ein KFZ-Mechaniker und regelt die Sache mit seinem Werkzeug. Währenddessen passiert noch ein Auffahrunfall im Verkehr dahinter, weil wir wohl etwas die Sicht versperren.

Für jedes Problem gibts eine Lösung.

Aber niemand wird verletzt und wir haben zum Glück genug Zeit für die Fahrt zum Flughafen eingeplant. Wir kennen ja die karibischen Verhältnisse inzwischen.

Auch wenn wir Irgendwie das Gefühl nicht loswerden, dass uns die Insel nicht gehen lassen will. Denn unser eigentlich geplanter Abholer vom Boot, hat am Tag zuvor mit Dengue-Fieber flach gelegen. Aber wir sind entspannt und während das Auto an den Straßenrand gefahren wurde und die Fahrerin erstmal ein Bier auf den Schock trinken geht, satteln wir unsere Rucksäcke wieder und steigen in den Bus. Das Angebot des Fahrers, in der verbleibenden Zeit bis zum Abflug noch eine Stadtrundfahrt zu machen, lehnen wir dankend und lachend ab. Wir sind froh am Flughafen zu sein. Und trinken auch erstmal ein letztes lokales Bier auf Grenada, bevor wir uns in das Flughafen-Getümmel stürzen. 

Zum Flughafen Geschafft. Prost

Auf dem Flug werden wir mit einem Blick auf unser Boot belohnt und ich schaue stundenlang aus dem Flugzeugfenster zu wie Sonnenuntergang und Wolken sich im karibischen Meer spiegeln. Auch die Aussicht bei Nacht ist mit Blitzen und einem Flug über New York wirklich spannend. 

Flugzeugausblicke

Nach einer zweitägigen Reise werden wir dann auch in Hannover wieder mit einem „Welcome Back“ begrüßt. Es gibt Sekt mit Freunden und ein sehnlich erwartetes Bett in unserem vorübergehenden zu Hause, was uns von einer Freundin großzügig zur Verfügung gestellt wird. 

Schöne Bahnfahrt durch Deutschland

Erstmal sind wir angekommen und realisieren langsam, wie wir uns verändert haben und wie anders das Leben in Deutschland ist. 

Kleine Willkommensfeier im neuen Haus

Das, und wie es uns die ersten Wochen mit dem neuen Alltag ergangen ist, berichte ich das nächste Mal. Denn die Reise ist ja nicht vorbei. Auch Hannover fühlt sich erstmal wie ein Abenteuerurlaub an. 

Was war das gleich nochmal?

2 Kommentare bei „Welcome back“

  1. Welcome back!!!

  2. Hallo Nicki, hallo Heiko. Ich sitze am Flughafen Gatwick und die Wartezeit verfliegt nur so mit euerem kurzweiligen Reisebericht. Ich freue mich schon euch im November wieder zu sehen. Gruss & Kuss dein Julius

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