Endlich westwärts

Laut Logbuch ist es Tag 5 unserer Reise, ich sitze mit Rettungsweste angeleint im Cockpit bei meiner Nachtschicht und gucke zu wie immer wieder Wellen über die Bugspitze von Celerity schlagen. Wir sind heute endlich auf Westkurs gegangen und verlassen gerade Griechenland Richtung Sizilien/ Malta übers Ionische Meer. Heißt es liegt erstmals eine Mehrtägige Überfahrt vor uns.
Um unser kleines 10meter Boot herum fahren überall Tanker, Fähren, Kreuzfahrtschiffe, die sind 5 bis 10mal so schnell. Es wird also nicht langweilig auf See.
Die letzten beiden Tage haben wir vor Anker in einer Bucht verbracht um uns vor angekündigtem Sturm zu sichern. War auch gut so. Der Anker hatte ordentlich zu tun. Und die Pause kam auch ganz gelegen vor unserer Überfahrt ins westliche Mittelmeer. Für die 100 Seemeilen  (180km) bis dorthin haben wir allerdings 2 Tage gebraucht, weil das „Starkwindrevier“ für unseren Start extra den Wind mal eingestellt hatte. Ja, es kommt zwar nicht darauf an woher der Wind weht, sondern wie man die segel setzt, aber kein Wind bedeutet auch einfach keine Segel und entweder Motor an oder rumtümpeln. Eine Zeitlang haben wir das gemacht und waren auch mal zwischendurch baden ( ohne uns zu trauen die Badeleiter loszulassen :-)) Obwohl doch, als die Pütz plötzlich wegtrieb bin ich dem Eimer einen kleinen Sprung hinterher. Schon aufregend mitten auf dem Meer baden zu gehen. Und auch ganz entspannt rumzuliegen und auf Wind zu warten.
Allerdings sind wir nun ja schon 2 Wochen verspätet in unsere Mittelmeerüberfahrt gestartet und müssen daher ein bisschen Gas geben um hier nicht komplett mit Herbststürmen zu tun zu haben.
Also läuft des öfteren der Motor. Soll sich ja auch gelohnt haben die teure Reparatur.
Besonders nachts, wie jetzt bei hohem Seegang ohne genug Wind ist es auch einfach mal komfortabel den Motor laufen zu haben statt unter segel zu fahren, wo sich Schoten beim wenden Verhaken können. Und nachts allein wird das Cockpit nicht verlassen. Das ist unsere Regel. Denn über Bord fallen ist verboten. Deswegen sitz ich hier auch angeleint – das bedeutet an meiner Rettungsweste ist ein „Lifebelt“ also ein Gurt mit Karabinern und damit bin ich einfach irgendwo am Boot festgemacht und der Bewegungsradius reicht um an alle Stellen und Sitzgelegenheiten im Cockpit zu kommen. Sollte man zum Bug müssen, liegt einmal quer durchs Boot ein Stahlseil in was man sich dann, wie beim Klettern einpickt. Aber allein machen wir das ja nicht. Will man auch nicht bei dem Wellen, der Gang zum Klo ist schon abenteuerlich genug.

Wie Funktioniert das jetzt eigentlich mit durchweg Tag und Nacht fahren? Ja, es muss immer jemand steuern bzw. Ausguck halten, wenn der Autopilot steuert.
Das heißt einerseits die Seekarte im Auge behalten, wo es lang geht und was es für Hindernisse gibt. Die gibts aufm Bildschirm und als Papier. Aufm Bildschirm werden zusätzlich die Boote angezeigt, die AIS haben, also die Berufsschiffahrt im Großteil, den man natürlich auch ausweichen muss. Da es Boote, wie uns gibt, die kein solches Signal  senden, muss man auch ab und zu mal aufs Meer gucken. Aber das ist ja ganz schön. Ne ganze Menge zu tun neben den freudig hektischen „Flipper!!“ ausrufen (fast jeden Tag Delfinbesuch gehabt) und dem überlegen was man als nächstes isst – weil Hunger hat man auch ständig durch die Bootsbewegung und dem neu Verstauen von Dingen die durch die Gegend geflogen sind (nach der Dritten purzelnden Süßkartoffel weiß man, dass das Netz zu grob ist). Ach ja und schlafen muss man ja auch mal. Deswegen teilt man sich nachts in Schichten ein. Wir testen gerade 3h schichten. So hat jeder 2 Schichten während der Dunkelheit in der der andere Schläft. Bisher bin ich überrascht wie gut das schlafen trotz Wellengang und kurzer Zeit doch funktioniert auch wenn ich natürlich weiterhin ein Morgenmuffel bin.
Bei Schichtwechsel und auch sonst während des Tages führt man Logbuch. Da hält man die Wetterverhältnisse, Geschwindigkeit und Position usw. mit.
So jetzt muss ich erstmal wieder ne Runde gucken gehen. Oder essen. Oder was aufsammeln.
Ahoi.

Ach ja. Hier könnt ihr immernoch verfolgen wo wir so sind/waren.

3 Kommentare bei „Endlich westwärts“

  1. Wie schön !!! Ich freu mich so für euch, dass es jetzt so richtig losgeht (also mit Wind und Wellen und so… ;-))
    Freu mich auf die nächsten spannenden Berichte !!

  2. Grandios, wir staunen über euren Mut und verfolgen eure Reise von Land aus.

  3. Hola! Endlich habe ich mal die Zeit gefunden, alles zu lesen…
    Uwe und ich wünschen Euch ein gutes Durchkommen, durch die nicht ganz ungefährlichen Herbststürme. Gebt Gas!
    Es ist einerseits beruhigend zu hören, dass Ihr ein Sicherheitskonzept habt und angeleint seid, andererseits macht es mir wieder deutlich, wie gefährlich Euer Abenteuer letztendlich ist. Aber die Gefahr macht ja auch manchmal das Abenteuer. Und wir haben vollstes Vertrauen in Euch!
    Wir wünschen Euch weiterhin tolle Momente und viel Harmonie & Spaß miteinander!
    Und wir drücken die Daumen für die Technik…
    Bitte schreib bald wieder, damit wir wissen, dass Ihr noch unbeschadet unterwegs seid.
    Saludos, besitos y abrazzos de Jessika y Uwe para ti y tu hombre

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