Ankern im Dschungel

Ein rostig quietschendes “Krrraaaak! Krrraak! Kriiik-kiiiik!“ durchschneidet schallend die flirrende Morgenluft, nur untermalt von dem rhythmischen Zirpen der Grillen und dem inzwischen bekannten Brüllen der Affen in der Ferne. Plötzlich gesellt sich das krakelige Gezeter eines Papageienpärchens hinzu. Es hallt von den Bäumen wider, wenn sie krächtzend von einer Seite des Flusses zur anderen flattern.
Dieser Geräuschkulisse könnte ich stundenlang zuhören. Es ist aufregend und beruhigend zugleich. 

Das Flusswasser ist spiegelglatt, auch wenn eine stetige Strömung das Boot umspielt. Im Nebel des Morgens verblasst der nächtliche Schimmer der Hafenstadt und macht dem glühenden Ball der Sonne Platz.

Ein weiterer Tag beginnt – wieder auf Entdeckungsfahrt zu den zahlreichen Zuflüssen des Rio Chagres mit dem Beiboot.

Auch wenn die enge Einfahrt in die Flussmündung, zwischen Riff, Steilküste und Wellen die gegen die Flussströmung brechen, ultra aufregend war, hat sich die erste Flussfahrt gelohnt. CELERITY hat erstmals Süßwasser unterm Rumpf. Aber ich gehe, trotz des klaren Wassers, nicht baden.

Denn der Rio Chagres war schon zu Zeiten, als Captain Henry Morgan (der Namensgeber des Rums) ihn befuhr, voller Krokodile. 1671 kämpften sich Morgan und seine Männer in wackeligen Booten den Fluss hinauf, gegen Strömung, Hitze und lauernde Krokodile. Am Ende erreichten sie Panama-Stadt, stürmten die Straßen, plünderten Häuser und setzten die Stadt in Brand – einer der kühnsten Piratenüberfälle der Geschichte.

Und nun verbringen wir hier eine Woche in völliger Abgeschiedenheit, keine Piraten, kein Handynetz, nur der Regenwald und seine Bewohner und ab und zu ein kleines Fischerboot. 

Ziemlich abgeschiedene Lage

Jeden Tag steigen wir ins Dingi und fahren das Flussufer entlang und erkunden die vielen kleinen Zuläufe. Ich habe aufgehört zu zählen. In einigen kommen wir nur ein paar Meter hinein, weil ein Baum quer liegt, es zu flach wird und wir stecken bleiben, oder weil Äste so tief hängen, dass man dran hängen bleibt…. Ich sag euch, so einen Zweig mit einem Termitennest in den Haaren hängen zu haben ist nicht lustig. Es krabbelt jetzt noch beim Gedanken an die vielen Viecher überall. Zum Glück war das der einzige tierische Angriff. Andere Seitenarme entpuppen sich als richtig breite Wasserstraßen, auf denen wir noch weitere Teile des Tropenwaldes entdecken.

Überall grün

Obwohl das Grün recht eintönig scheint, wird es nie langweilig. Denn jedes Flussufer ist einzigartig, die Pflanzenwelt verändert sich immer wieder. Und so fahren wir mal durch einen dichten Farnwald, dann wieder entlang mächtiger Bäume. Mal entdecken wir eine Herde Affen auf den Bäumen und ein anderes Mal sitzt ein Tukan über uns auf einem Ast und macht lautstark deutlich, dass wir ihn in seinem Revier stören.

Endlich mal so nah einen Tukan gesehen

Wir sehen Kaimane und Krokodile am Ufer lauern. Und die verschiedensten Vögel in der Luft.

Nachts kann man mit der Taschenlampe vom Boot aus die Augen im Gebüsch leuchten sehen, aber nur einmal sehen wir auch ein ausgewachsenes amerikanisches Krokodil im Dunkeln am Ufer neben unserem Ankerplatz. Reicht mir auch. Ich möchte nicht auf Tuchfühlung mit diesen Gefährten gehen. 

Hier links am Ufer hängt immer mal ein Kroko rum

Eines Tages fahren wir den Fluss hinauf bis es nicht mehr weiter geht. Hinter der riesigen Staumauer befindet sich der Gatun See. Jener, der die beiden Panamakanal-Schleusen im Pazifik und Atlantik miteinander verbindet. Der Rio Chagres füttert also auch die Schleusen mit Wasser. 

Es ist beeindruckend so eine Staumauer mal vom Wasser aus zu sehen, aber auch etwas beängstigend.

Hinter der Brücke: Die Staumauer für den Gatun-See

Zum Glück ist der Wasserpegel gerade nicht zu hoch, denn sonst kommt es durchaus mal dazu, dass in der Regenzeit hier Wasser aus dem See abgelassen werden muss…. dann wird’s bestimmt ungemütlich am Ankerplatz. 

Manchmal ist es besser, sowas erst im Nachhinein zu erfahren… Ich hätte sonst deutlich schlechter geschlafen. 

Die Ausfahrt vom braunen Seitenarm in den klaren Rio Chagres

Ohne Flutwelle ist die Strömung auch schon beträchtlich. Das merken wir als wir uns einige Seemeilen flussaufwärts mit dem Paddel kämpfen müssen. Ausgerechnet an dem Tag, als wir bis zur Flussmündung fahren, um uns eine Festung anzusehen, streikt der Motor auf dem Rückweg. Über eine Stunde paddeln wir gegen die Strömung, um wieder zu CELERITY zu gelangen. Wir haben Hunger, die Laune sinkt. Aber immerhin finden wir am nächsten Tag die Ursache für den Aussetzer und können sie beheben: Wasser im Benzin. 

Der Ausblick am Morgen

So genießen wir also noch ein paar Tage den außergewöhnlichsten Ankerplatz bisher, lauschen den Rufen des Urwaldes und freuen uns dann später wieder über die Vorzüge der Zivilisation. 

Zeitliche Einordnung

Dieser Beitrag erzählt von Ereignissen, die zeitlich zwischen den Erlebnissen in Portobelo (Regenzeit in Panama) und dem Heimaturlaub in Deutschland liegen. In dieser Abgeschiedenheit ist eigentlich die Idee gereift, einen Besuch zu Hause zu machen. Nur hatten wir kein Internet. Fünf Tage nachdem wir aus dem Rio Chagres aufgebrochen sind, saßen wir schon bei Mutti am Kaffeetisch. So schnell kann es manchmal gehen.t

Gerade noch auf Entdeckungsfahrt mit dem Dingi bei panamaischen Regen….
….und schon bei Muttis Heidelbeerkuchen in der sächsischen Sonne

Zeitsprung zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Zeilen

Es ist Mitte August, wir sind seit einer Woche aus Deutschland zurück, liegen mit CELERITY im Hafen und sind in den letzten Vorbereitungen für die Durchfahrt durch den Panamakanal. Alles aufregend, sag ich euch. Darüber berichte ich das nächste Mal ausführlich, wahrscheinlich schon von der anderen Seite – mit pazifischem Wasser unterm Kiel.


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